Es ist noch gar nicht so lange her, dass man wegen einer persönlichen Angelegenheit (z.B. einer Rentenauskunft) in einem Menschengetümmel vor einem Tresen im zugigen Eingangsbereich des Rathauses im Stehen abgefertigt werden sollte.
Es ist noch gar nicht so lange her, dass man auf der Suche nach einem Sachbearbeiter hilflos im Rathaus umherirrte, weil einem keine freundliche Empfangsdame den Weg zeigte und man treppauf, treppab durchs halbe Rathaus laufen musste, um eine Rolle gelber Säcke zu bekommen.
Es ist noch gar nicht so lange her, als das Rathaus von einem teuren privaten „Unternehmensberater“ heimgesucht wurde. In der Folge davon wurden etliche Arbeitsplätze wegrationalisiert und die Gemeindeverwaltung in fünf Jahren viermal umorganisiert.
„Katastrophe“ nannten es die Einen, „modernes Management“ nannten es die Anderen.
Das alles ist noch gar nicht so lange her. Erst nach der Amtsübernahme von Renate Wolf im vorigen Jahr wurde vieles wieder ins Lot gebracht, aber noch nicht überall läuft es rund. Zu groß ist der Nachholbedarf.
Derzeit gibt es nur drei Polizisten in Sulzbach. Ganz früher gab es mal wesentlich mehr, aber die Arbeitsplätze wurden durch das „moderne Management“ zusammengestrichen. Ein regelmäßiger Schichtdienst, auch am späten Abend, ist natürlich mit drei Polizisten nicht aufrecht zu erhalten. Da unsere Polizisten oft alleine unterwegs sein müssen, wurden sie schon mehrfach mit Waffen angegriffen. Wer sich über die Personalkosten beschwert, der sollte mal unseren Polizisten sagen, dass ihr Leben und ihre Gesundheit nichts wert sind. Man sollte auch den Bürgern sagen, dass das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung nicht interessiert.
Im Jahr 2011 wurden von der Gemeindeverwaltung Bauinvestitionen im Wert von 5,5 Mio. Euro durchgeführt. Und es geht immer weiter. Feuerwehrhaus, viele einzelne Stadterneuerungsmaßnahmen, Erschließung des nordöstlichen Ortsrands, Sanierung des Bürgerhauses, Bürgerbeteiligungen usw. stehen demnächst an. Die Betreuung von insgesamt 28 gemeindeeigenen Liegenschaften erfordert Aufwand. Bei der immer komplizierter werdenden Gesetzeslage, bei den heutigen Anforderungen an die Umsetzung energetischer und ökologischer Vorgaben ist im Arbeitsgebiet Bauen und Planen dringend eine Personalverstärkung erforderlich. Wer sich über die Personalkosten in diesem Bereich beschwert, der sollte auch sagen, welche Baumaßnahmen er nicht haben will.
Das hervorragende Kulturprogramm der Gemeinde, die Zusammenarbeit mit den Vereinen und die ganze Seniorenarbeit lasten auf den Schultern von zwei Teilzeitkräften. Nur durch das außergewöhnliche Engagement der beiden Mitarbeiterinnen und viele, viele Überstunden war das Angebot überhaupt aufrecht zu erhalten. Auch in diesem Bereich ist eine personelle Verstärkung durch eine weitere Teilzeitkraft dringend notwendig. Wer das ablehnt, der sollte auch sagen, welche Veranstaltungen oder welche Seniorenbetreuungen künftig nicht mehr stattfinden sollen.
Und schließlich die gemeindlichen Kinderbetreuungseinrichtungen. Durch veränderte gesetzliche Vorgaben sind fünf neue Erzieherinnen, vier weitere für die zusätzliche Betreuung von Schulkindern und eine Köchin erforderlich. 40 Prozent aller Rathausmitarbeiter sind Erzieherinnen und Erzieher. Und wer darauf spekuliert, ob in 10 oder 15 Jahren die Geburtenzahl in Sulzbach eventuell zurückgeht und man deswegen keine zusätzlichen Kindertagesstätten mehr braucht, der sollte das denjenigen Eltern sagen, die im Jahr 2011 händeringend eine bezahlbare Kinderbetreuung suchen.
Dienstleistungen der Gemeinde für ihre Bürgerinnen und Bürger und eine gute Qualität gibt es nun mal nicht zum Nulltarif. Und wenn die Immobilien und Sportstätten erhalten werden sollen, wenn die Straßen und Wasserleitungen instand gehalten werden sollen und wenn der Friedhof sauber und gepflegt sein soll, dann benötigt man dafür Personal und Geld. Und wer immer publikumswirksam verkündet „Kinder sind unsere Zukunft“, der muss auch bereit sein, in Kinderbetreuung zu investieren. Nur dann hat Sulzbach wirklich eine Zukunft.


